Die Apple AirPort Time Capsule gehört zu den Geräten, die viele Mac-Nutzer längst abgeschrieben haben. Apple hat die Produktfamilie vor Jahren eingestellt, die Hardware ist inzwischen teilweise mehr als zehn Jahre alt und mit macOS 27 Golden Gate schien nun auch das letzte Kapitel geschrieben zu sein.
Doch es kommt anders.
Ein Open-Source-Projekt namens TimeCapsuleSMB zeigt eindrucksvoll, dass eine funktionierende Time Capsule nicht zwangsläufig auf den Elektroschrott gehört.
Das Problem: Apple verabschiedet sich von AFP
Die Time Capsule war eine geniale Kombination aus WLAN-Basisstation und Netzwerkfestplatte. Besonders praktisch war die Möglichkeit, Macs automatisch über Time Machine auf der integrierten Festplatte zu sichern.
Technisch basiert die Dateifreigabe der klassischen Time Capsule allerdings auf Apples AFP (Apple Filing Protocol) beziehungsweise älteren SMB-Versionen.
Das war lange kein Problem. Doch Apple entwickelt macOS weiter. Mit macOS 27 Golden Gate fällt die AFP-Unterstützung weg. Damit verliert die Time Capsule ihre ursprüngliche Funktion als Netzwerk-Ziel für Time Machine.
Die Hardware funktioniert zwar weiterhin – macOS kann aber nicht mehr auf die alte Art mit ihr kommunizieren.
Und genau hier setzt TimeCapsuleSMB an.
Samba statt AFP
Der Entwickler James Chang, auf GitHub als jamesyc aktiv, hat eine modifizierte Samba-Implementierung entwickelt, die direkt auf der Time Capsule ausgeführt werden kann.
Das Prinzip ist bemerkenswert:
Die vorhandene Hardware bleibt erhalten. Statt die Time Capsule durch ein modernes NAS zu ersetzen, bekommt sie eine neue Netzwerksoftware.
TimeCapsuleSMB bringt damit modernes SMB auf die alte Apple-Hardware. Das Projekt stellt eine speziell angepasste Samba-Version bereit und bietet zusätzlich Installationsmöglichkeiten über Skripte beziehungsweise eine macOS-GUI.
Die Time Capsule kann anschließend als SMB-Netzwerkfreigabe angesprochen werden und soll sich auch wieder als Ziel für Time-Machine-Backups unter macOS 27 verwenden lassen.
Aus einem Apple-Oldtimer wird wieder ein Backup-Server
Das eigentlich Faszinierende an diesem Projekt ist nicht einmal Samba selbst.
Es ist die Idee dahinter.
Apple hat die Time Capsule aufgegeben. Die Hardware ist aber weiterhin vorhanden. Festplatte, Netzwerkanschlüsse, Gehäuse und Stromversorgung funktionieren unabhängig davon, welches Protokoll macOS für die Kommunikation verwendet.
TimeCapsuleSMB ersetzt deshalb nicht die Hardware – sondern lediglich einen Teil der Software-Infrastruktur.
Damit bekommt die Time Capsule eine zweite Chance.
Das Projekt unterstützt laut aktueller Dokumentation die verschiedenen Time-Capsule-Generationen, wobei insbesondere die späteren, hochkantigen Modelle interessant sind.
Warum das für Mac-Nutzer interessant ist
Wer noch eine Time Capsule besitzt, hat damit möglicherweise bereits alles, was für ein einfaches lokales Backup-System benötigt wird.
Man braucht nicht unbedingt ein neues NAS.
Man muss keine zusätzliche Festplatte kaufen.
Und man muss sich auch nicht von einem Gerät trennen, das Apple einmal speziell für den Mac entwickelt hat.
Natürlich sollte man bedenken, dass eine alte Festplatte jederzeit ausfallen kann. Eine zehn Jahre alte Festplatte ist kein besonders vertrauenswürdiger alleiniger Speicherort für wichtige Daten.
Für Backups gilt deshalb weiterhin:Ein Backup ist nur dann ein gutes Backup, wenn es nicht die einzige Kopie der Daten ist.
Und was ist mit der Sicherheit?
Hier sollte man genauer hinschauen.
TimeCapsuleSMB ist kein offizielles Apple-Update und wird nicht von Apple bereitgestellt. Es handelt sich um ein Community-Projekt, das tief in die Software der Time Capsule eingreift.
Wer das Projekt einsetzt, sollte deshalb wissen, was er tut und die Installationsanleitung sorgfältig lesen. Die Verwendung erfolgt auf eigene Verantwortung.
Gleichzeitig zeigt das Projekt sehr schön, was Open Source leisten kann: Ein Produkt, das vom Hersteller längst aufgegeben wurde, bekommt durch die Arbeit eines einzelnen Entwicklers plötzlich wieder eine Zukunft.
Die Time Capsule lebt
Für mich ist TimeCapsuleSMB deshalb mehr als nur ein kleiner Hack.
Es ist ein schönes Beispiel dafür, wie langlebig gute Hardware sein kann.
Apple hat die Time Capsule eingestellt. Die Community hat sie noch nicht aufgegeben.
Und vielleicht steht bei dem einen oder anderen Mac-Nutzer demnächst wieder eine alte weiße Time Capsule im Netzwerk – diesmal nicht als Museumsstück, sondern als moderner SMB-Server für Time Machine.Die Time Capsule ist also noch nicht tot. Sie braucht lediglich ein kleines Software-Update von der Community.
Mehr Informationen und die Installationsanleitung gibt es im TimeCapsuleSMB-Projekt auf GitHub.