
Festplatten waren über Jahre der günstige Massenspeicher schlechthin. Ein paar Terabyte kosteten nicht viel, und gerade für Backups, Fotos, Videos oder ein NAS waren klassische HDDs kaum zu schlagen.
Doch inzwischen lohnt sich ein genauer Blick auf die Preise. Ein gutes Beispiel dafür ist die WD Elements Portable mit 5 TB. Sie zeigt ziemlich deutlich, was gerade auf dem Festplattenmarkt passiert.
5 TB für 159 Euro?
Die WD Elements Portable 5 TB gehört eigentlich zu den unspektakulären Produkten im Festplattenregal. Keine besonders schnelle SSD, keine High-End-Festplatte, sondern einfach viel Speicher in einem kompakten Gehäuse.
Und genau deshalb ist sie interessant.
Im März 2026 war die WD Elements Portable 5 TB in einem Preisvergleich noch für rund 130 Euro zu bekommen. Anfang September liegt der günstigste Preis bei etwa 159 Euro.
Das entspricht einem Anstieg von rund 22 Prozent innerhalb weniger Monate. Kurz nach der Einführung der Festplatte in 2019 war Sie in 2020 teilweise für unter 95 Euro zu haben.

Natürlich sind solche Preisvergleichswerte immer Momentaufnahmen. Aber die Richtung ist eindeutig: 5-TB-Festplatten sind deutlich teurer geworden.
Und die WD Elements ist kein Einzelfall
Der Blick auf andere HDDs zeigt, dass es sich nicht nur um ein Problem einzelner externer Festplatten handelt.
Der allgemeine Festplattenmarkt hat sich innerhalb eines Jahres teilweise dramatisch verändert. Bei internen HDDs sind die durchschnittlichen Preise für bestimmte Kapazitäten laut aktuellen Preisanalysen teilweise um deutlich mehr als 100 Prozent gestiegen.
Besonders auffällig ist der Blick auf größere Modelle.
Eine 4-TB-Festplatte, die im Sommer 2025 noch ungefähr 65 Euro kostete, lag im August 2026 bei rund 170 Euro. Bei 8 TB stieg der Vergleichswert von etwa 126 auf 289 Euro.
Das sind keine normalen kleinen Preisschwankungen mehr.
Warum werden Festplatten plötzlich so teuer?
Die überraschende Antwort lautet: KI.
Das klingt zunächst etwas merkwürdig. Was hat ChatGPT mit einer WD Elements auf dem Schreibtisch zu tun?
Eine ganze Menge – allerdings nicht direkt.
Der weltweite Boom rund um künstliche Intelligenz erzeugt enorme Mengen an Daten. KI-Modelle müssen trainiert werden, Anwendungen erzeugen ständig neue Daten und Rechenzentren benötigen immer mehr Speicher für diese Daten.
Und genau hier kommen Festplatten ins Spiel.
Denn wenn es um große Datenmengen zu möglichst niedrigen Kosten geht, sind HDDs nach wie vor kaum zu schlagen.
Rechenzentren kaufen, was der Markt hergibt
Die großen Cloud-Anbieter und Betreiber von Rechenzentren benötigen Festplatten in riesigen Stückzahlen.
Unternehmen wie Google, Microsoft, Amazon und andere Hyperscaler bauen ihre Speicherkapazitäten massiv aus. Der Speicherbedarf wächst dabei nicht nur durch klassische Cloud-Dienste, sondern zunehmend auch durch KI-Anwendungen.
Für die Hersteller ist das ein äußerst attraktiver Markt.
Eine Festplatte, die für einen Privatkunden 150 Euro kostet, ist für einen großen Cloud-Anbieter zunächst nur ein kleines Bauteil. Werden davon allerdings hunderttausende oder Millionen benötigt, sieht die Rechnung anders aus.
Die Folge: Die Nachfrage nach HDDs steigt schneller als das Angebot.
Und wenn ein Produkt knapp wird, steigt normalerweise der Preis.
HDDs sind für große Datenmengen weiterhin unschlagbar
Dabei könnte man meinen, dass die klassische Festplatte inzwischen längst von SSDs verdrängt wurde.
Bei Macs, PCs und Notebooks stimmt das auch weitgehend.
Eine SSD ist schneller, leiser, kleiner und benötigt weniger Energie. Für das Betriebssystem und Programme ist sie deshalb eindeutig die bessere Wahl.
Aber beim Preis pro Terabyte sieht die Sache anders aus.
Wer beispielsweise mehrere Terabyte an Fotos, Videos, Time-Machine-Backups oder Archivdaten speichern möchte, bekommt mit einer HDD immer noch sehr viel Speicher für vergleichsweise wenig Geld.
Genau deshalb werden Festplatten für Rechenzentren weiterhin benötigt.
Und genau deshalb spüren jetzt auch Privatanwender die steigende Nachfrage.
Die WD Elements wird damit zum kleinen Preisbarometer
Die WD Elements Portable ist deshalb ein ganz interessantes Produkt.
Sie ist kein High-End-Modell und keine spezielle Enterprise-Festplatte. Sie ist eine typische externe USB-Festplatte, wie sie viele Mac-Nutzer für Backups oder zum Auslagern großer Datenmengen verwenden.
Wenn ein solches Massenprodukt innerhalb weniger Monate von ungefähr 130 auf 159 Euro steigt, zeigt das ziemlich deutlich, dass sich der Markt verändert.
Die Festplatte wird nicht plötzlich technisch besser.
Sie wird schlicht knapper und damit teurer.
Und was ist mit SSDs?
Wer jetzt überlegt, eine große SSD statt einer HDD zu kaufen, sollte sich die Preise genau ansehen.
Für alltägliche Aufgaben ist eine SSD natürlich weiterhin die bessere Lösung. Sie ist schnell und angenehm leise.
Für Backups und große Archive sieht die Rechnung aber anders aus.
Ein paar hundert Gigabyte mehr oder weniger spielen kaum eine Rolle. Bei mehreren Terabyte wird der Preisunterschied schnell erheblich.
Für ein Time-Machine-Backup, ein Fotoarchiv oder eine Sammlung von Videos kann deshalb eine klassische HDD weiterhin die vernünftigere Lösung sein.
Gerade am Mac muss es nicht immer die schnellste Speichertechnik sein.
Sollte man jetzt noch eine Festplatte kaufen?
Wer ohnehin eine große Festplatte für Backups oder Archivierung benötigt, sollte zumindest nicht automatisch davon ausgehen, dass die Preise kurzfristig wieder auf das alte Niveau zurückfallen.
Die Hersteller gehen derzeit von einer weiterhin hohen Nachfrage nach Speicherkapazität aus. Der zusätzliche Bedarf durch KI und große Rechenzentren dürfte dabei eine wichtige Rolle spielen.
Das bedeutet nicht, dass eine WD Elements morgen plötzlich 200 Euro kostet.
Aber es spricht auch nicht unbedingt dafür, mit einem Kauf zu warten, nur weil man auf deutlich niedrigere HDD-Preise hofft.
Wer Speicher braucht, sollte deshalb den konkreten Preis beobachten und bei einem guten Angebot zuschlagen.
Die gute alte Festplatte ist plötzlich wieder interessant
Eigentlich ist es schon ein bisschen ironisch.
Jahrelang galt die klassische Festplatte als Auslaufmodell. SSDs wurden immer günstiger und immer größer. Für viele Nutzer schien es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis HDDs vollständig verschwinden.
Jetzt sorgt ausgerechnet der KI-Boom dafür, dass die alte Technik wieder stärker gefragt ist.
Nicht weil sie schneller geworden wäre.
Sondern weil die Welt plötzlich noch viel mehr Daten speichern muss.
Die WD Elements mit ihren 5 TB ist dafür ein schönes Beispiel. Aus einem unscheinbaren Massenspeicher ist ein kleines Preisbarometer für einen Markt geworden, der gerade massiv in Bewegung ist.
Und vielleicht zeigt sich hier auch eine interessante Parallele zur Apple Time Capsule:
Die gute alte Festplatte ist noch lange nicht tot.






